Jostein Gaarder: Ein treuer Freund

Inhaltsangabe:

„Ein treuer Freund“ handelt von einem älteren, durchaus gelehrten Mann aus dem Bereich der Linguistik, der als Einzelgänger den Wunsch nach Familie hegt. Hierfür besucht der Antiheld Jakop Jakobsen fremde Beerdigungen und legt sich gekonnt fiktive Geschichten zurecht, in welchen er die Beziehung zur verstorbenen Person beschreibt, um eine Antwort auf seine Anwesenheit zu finden.

Letztendlich ist dieses Buch auch eine Geschichte über eine nicht zustande gekommene Liebesbeziehung, die vor allem durch einen großen Widerspruch geprägt ist: Wer sich in die Handpuppe des Puppenspielers verliebt, verliebt er sich dann nicht auch in den Puppenspieler selbst?

ThemaUmsetzungLeseflussPhilosophieGesamt
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Diesmal fängt Jostein Gaarder meine Faszination nicht

Von Jostein Gaarder bin ich verwöhnt mit guten, tiefgründigen Romanen, die mich vom Anfang bis zum Ende mitreißen in die Tiefe der Philosophie und Selbsterkenntnis auf einfache Art und Weise. Von seinem Roman „Ein treuer Freund“ kann ich das nicht behaupten.

Lesefluss von „Ein treuer Freund“

Grundsätzlich liest sich „Ein treuer Freund“ flüssig herunter, sieht man davon ab, dass die Monologe über Linguistik, Etymologie und Göttermythen überaus langatmig sind. Auch wenn ich mich für dieses Gebiet interessiere, ziehen sich die Passagen zu einem Gefühl der Lust zum Überlesen.

Protagonist Jakop Jacobsen

Antihelden sind immer ein sehr interessantes Gebiet in der Literatur, doch die Identifikation mit dem Protagonisten Jakop Jacobsen fällt äußerst schwer. Weder sein Alter noch seine Marotten, auf fremde Beerdigungen zu gehen, um ein Pseudo-Familiengefühl für sich herstellen zu können, gehen in irgendeiner Weise mit meiner Sympathie konform. Jacobsen ist ein bemitleidenswerter Mann, der er nicht sein müsste. Dass er mit seiner Handpuppe Pelle Intensivgespräche führt, macht ihn nur umso mehr zu einem psychologisch bedenklichen Menschen.

Philosophie in Gaarders „Ein treuer Freund“

Natürlich lässt sich aus den Eigenheiten des Antihelden, seinem Leben und Sein ein von Gaarder in seinen Büchern sooft entstandener Diskurs bilden. Tiefgreifende Gespräche über diese Art des Lebens lassen sich durchaus in folgenden Themengebieten ansiedeln:

  • Diese besondere Art des Einzelgängertums, das es eigentlich gar nicht ist, weil die Voraussetzungen widersprüchlich sind.
  • Das eigene Selbst und das Selbst eines anderen in einem selbst, wenn der Protagonist seine Handpuppe hervorholt, in die seine Angebetete sich verliebt – aber augenscheinlich nicht auch in den Puppenspieler, der doch auch die Puppe ist – oder nur spielt?
  • Das unüberwindbare Menschenbedürfnis nach Zusammenhalt in einer Familie und dem Wunsch nach tiefgreifenden Gesprächen mit Freunden, um mentale Befriedigung zu finden.
  • Letztendlich auch die Frage nach dem Sterben allein und dem Nachruf, der daraus entstehen wird.

All diese Themen sind natürlich tiefgründig und können zu intensiver Auseinandersetzung führen. Doch da der Protagonist nicht das Interesse an ihm selbst aufbaut, bleibt mein Bedürfnis danach aus. Die Art und Weise, diese Thematiken anzuführen, reizt nicht, sich weiter damit zu beschäftigen, auch wenn die Grundlage eine gute gewesen wäre.

Fazit: Jostein Gaarders „Ein treuer Freund“

Empfehlen kann ich dieses Buch somit nicht uneingeschränkt. „Ein treuer Freund“ ist für große Gaarder-Fans sicherlich eine Art Muss, doch die Erwartungshaltung sollte auf die Probe gestellt werden. Ich war mit dem Beginn des Buches, das ich gerne schon nach den ersten Dutzend Seiten beiseitelegen wollte, nicht zufrieden.

Warum habe ich weitergelesen?, war meine Frage an mich selbst. Fesselt es mich vielleicht doch, weil ich wissen wollte, wie es weitergeht? – Das kann ich leider nicht von mir behaupten. Letztendlich wollte ich schlichtweg nur noch eine Rezension darüber schreiben und es war mitunter quälend, mich bis zum Ende, von dem ich mir zumindest eine Befriedigung erhoffte, durchzulesen. Gaarder gab mir diese Befriedigung leider nicht. Er gibt dem Buch ein Ende, das natürlich zur Betrachtung des Lebens dieses Antihelden einladen soll, für mich persönlich war dies leider nicht ansprechend genug. Schade.

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Ein Gedanke zu “Jostein Gaarder: Ein treuer Freund”

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